Fananleihen: Systemrelevante Investitionen in Gemüsegurken
Interessantes Fundstück auf Seite neun der TAZ von gestern (10.1.2012). Unter der Überschrift „Teure Liebeserklärung“ rollt Felix Laurenz den Sinn und Unsinn diverser Fan-Anleihen im Profifußball auf. Natürlich dürfen wir als anleihenerprobte Experten auf dieser Reise nicht fehlen:
"Doch Fans sehen in den Anleihen des eigenen Vereins weniger Finanzanlage denn emotionales Investment in den eigenen Verein. Das zeigt das Beispiel von Arminia Bielefeld. Als der damalige Erstligist 2006 fünfjährige Anleihen ausgab, um den Umbau des Stadions zu finanzieren, ahnte noch keiner, dass der Verein nach dem Ablauf der Anleihe als fast hoffnungslos überschuldeter Drittligist dastehen würde. Um die Insolvenz zu verhindern, flehte der Klub im Herbst seine Fans an, die auslaufenden Anleihen zu verlängern.
Über 40 Prozent der fast 2.500 Gläubiger folgten der Bitte und stundeten den Ostwestfalen die Schulden bis 2016. 86 verzichteten sogar komplett auf ausstehende Forderungen. Und damit nicht genug: Über 1.000 Menschen, fast ausschließlich Kleinanleger, zeichneten eine "Zukunfts-Anleihe" und gaben dem Verein damit neues Geld.
Und das, obwohl die Arminia im Herbst 2011 am unteren Tabellenende der dritten Liga dümpelte und kurz vor dem direkten Durchmarsch in die Viertklassigkeit stand. Arminias Geschäftsführer Marcus Uhlig nennt das Verhalten der Fans in der Krise "sehr wohlwollend".
Man könnte auch sagen: Das war weniger eine Finanzanlage, als vielmehr die ultimative Liebeserklärung der Fans an den eigenen Verein. Genauso gut hätten die Anleger ihr Geld auf dem Höhepunkt der Ehec-Krise in spanische Gemüsegurken stecken können."
Dass das Geld, welches Fans des FC St. Pauli in ihren Verein stecken, keineswegs mit einem Gurken-Investment zu vergleichen ist, soll im Artikel später deutlich gemacht werden:
"Auch Michael Meeske vom FC St. Pauli weiß um den "Komfort", die eigenen Fans als Gläubiger zu haben. Die Anleihen seines Klubs schätzt er aber als sicher ein: "Ich glaube an die emotionale Systemrelevanz des Fußballs. Aufgrund unserer besonderen Alleinstellungsmerkmale sind wir nahezu insolvenzsicher.“ "
Bis hier hin bin ich geneigt diese tragenden Worte auch auf die Arminia zu adaptieren. Aber auch nur bis hier hin, denn Meeske ergänzt:
„Zumindest so lange es keine gravierenden Veränderungen gibt oder schwere Fehler gemacht werden. Ein geringes Restrisiko bleibt eben."
Wir wissen ja seit heute, dass die schweren Fehler rund um Arminias Tribünenbau „unternehmerisch, aber nicht strafrechtlich relevant“ sind und dadurch wissen wir auch, dass es in Bielefeld erheblich größere Restrisiken, aber - und das wir wissen jetzt auch - mit Sicherheit nicht weniger ultimative Liebeserklärungen als auf dem Kiez gibt.




Naja, ganz ehrlich: Wer sein Geld lieber in ein Crowdfunding-Projekt steckt, wie es neuerdings so schön heißt, der erwartet ja auch nicht die Superrendite, oder? Eigentlich ist von Anfang an immer klar, dass da ein Risiko besteht, dass vor allem auch höher ist als bei einer Aktie...
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